Wer profitiert von den kostenlosen öffentlichen Verkehrsmitteln in Luxemburg?

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Am 05/03/2020, von Camille Ecormier veröffentlicht

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Am 1. März 2020 schrieb Luxemburg (erneut) Geschichte. Denn falls Sie es noch nicht gehört haben, wurde ab diesem Datum das Großherzogtum zum ersten Land der Welt, das den öffentlichen Nahverkehr auf seinem gesamten Gebiet kostenlos anbietet. Bus, Zug, Straßenbahn, ganz gleich, welches Verkehrsmittel gewählt wird, benötigen Fahrgäste nun kein Ticket mehr. Eine echte wirtschaftliche und ökologische Maßnahme mit Perspektive. Aber wem nützt sie eigentlich wirklich?



Wie funktioniert das Ganze?


Seit März 2020 sind die nationalen Busse, Straßenbahnen und Züge täglich kostenlos zugänglich, ohne Fahrschein. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass Fahrten in der 1. Klasse (Einzelfahrten oder Abonnements) unverändert bleiben und keine Reduzierung erfahren haben. Außerdem gilt, wer sein Ticket vor dem 1. März für eine Reise nach diesem Datum gekauft hat, bekommt keine Erstattung.



Wem nützt diese Maßnahme?


Zunächst den luxemburgischen Einwohnern! Ob für den täglichen Arbeitsweg, Wochenendausflüge oder Reisen innerhalb des Landes, sie profitieren am meisten von dieser Maßnahme, die den Verkehr im Land deutlich entlasten soll.


Zweitens den Grenzgängern, dank des kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs in Luxemburg konnten die Preise für ihre monatlichen und jährlichen Abonnements je nach Wohnort stark gesenkt werden. Wer zum Beispiel vor März 2020 ein monatliches Zugabo ab Metz gekauft hat, zahlte noch 140 €; seitdem zahlen Personen über 26 Jahre nur noch 100,50 €. Unter 26-Jährige zahlen jetzt nur noch 62,60 €, also eine Differenz von fast 80 €. Ein weiteres Beispiel: Ab Trier in Deutschland sinkt das monatliche Zugabo von 88 € auf 49 €, was 39 € Ersparnis bedeutet!


Darüber hinaus profitieren auch die Autofahrer, sowohl Grenzgänger als auch Luxemburger, von dieser Maßnahme, da sie die Anzahl der Fahrzeuge auf den Straßen nach Luxemburg voraussichtlich verringern wird.


Und schließlich die luxemburgischen Unternehmen! Zu oft wird Luxemburg noch immer als Steuerparadies oder als ein Land ohne Freizeitmöglichkeiten (außer Arbeiten) gesehen. Diese Klischees erschweren es, neue Einwohner und damit Talente anzuziehen. Maßnahmen wie die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs rücken das Großherzogtum jedoch ins internationale Rampenlicht und verbessern sein Image. Luxemburger Unternehmen dürften dadurch künftig leichter Talente gewinnen und ihr Recruiting erfolgreicher gestalten.



Kostenloser öffentlicher Nahverkehr: die Wunderlösung für Mobilitätsprobleme?


Mit dieser Maßnahme hofft Luxemburg, die Pendelwege seiner Grenzgänger zu erleichtern. Luxemburgs Minister Bausch, zuständig für das Thema, warnt jedoch, dass die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel nicht alle Mobilitätsprobleme lösen wird:


Was das Problem wirklich löst, ist die Investition in die Strukturen des öffentlichen Nahverkehrs, damit sie auf höchstem Niveau sind. Das wird die Mobilität der Menschen verändern.


Bereits Ende Januar 2020 erklärte er in einer Pressekonferenz: „Kostenloser öffentlicher Nahverkehr ist keine Wunderlösung, um alle Fahrgäste auf öffentliche Verkehrsmittel umzulenken, das wissen wir sehr genau. Aber es ist die Kirsche auf dem Sahnehäubchen unserer Strategie und Investitionen.


Eine Strategie, die den Nutzerinnen und Nutzern eine vielversprechende Perspektive eröffnet. Das Großherzogtum und seine Nachbarländer haben großes Interesse daran, weiterhin in den Verkehr zu investieren, insbesondere wenn man bedenkt, dass täglich über 200.000 Grenzgänger die Grenze überqueren, um in Luxemburg zu arbeiten!



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