Das Thema Gehalt ist grundsätzlich noch ein Tabu, und einen Kollegen zu fragen, wie viel er verdient, ist oft unangenehm, doch die Einstellungen ändern sich. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten, des Fachkräftemangels und neuer europäischer Gesetze zur Gehaltstransparenz wird das Thema Geld am Arbeitsplatz immer weniger tabu.
Gehalt: Tabu oder kein Tabu im Jahr 2026?
Das Gehalt, das lange Zeit als streng vertrauliche Information galt, ist in vielen Unternehmen nach wie vor ein heikles Thema. Den eigenen Lohn mit dem der Kollegen zu vergleichen, wurde oft als unangenehm, unhöflich, spannungserzeugend oder sogar karrieregefährdend empfunden.
Dennoch beginnt sich die Einstellung zu ändern. Eine von Moovijob.com in Luxemburg durchgeführte Umfrage zeigt, dass 54 % der Befragten heute offen dafür sind, mit ihren Kollegen über ihr Gehalt zu sprechen, während 46 % der Meinung sind, dass dies eine private Angelegenheit bleiben sollte. Dieses Gleichgewicht zeigt, dass das Thema zwar immer noch heikel ist, aber zunehmend an Offenheit gewinnt.
Diese Wahrnehmung spiegelt sich auch in den gesammelten Erfahrungsberichten wider. Eine luxemburgische Arbeitnehmerin, die im Rahmen unserer Umfrage befragt wurde, schildert ihre Eindrücke:
„Ein Tabu? Ja und nein, das hängt vom Kollegen ab. Hier in Luxemburg halte ich es für ein Tabu. Ich habe versucht, mit einigen darüber zu sprechen, aber sie waren nicht aufgeschlossen.“
Eine Erfahrung, die deutlich macht, dass das Thema in vielen Unternehmen noch immer heikel ist, auch wenn sich die Einstellungen ändern.
Diese Geheimhaltung in Bezug auf die Gehälter hat jedoch Konsequenzen, da viele Arbeitnehmer nach wie vor nicht wissen, ob ihre Vergütung tatsächlich marktgerecht ist oder mit der ihrer Kollegen in ähnlichen Positionen übereinstimmt.
In Luxemburg ist diese Kultur der Geheimhaltung in bestimmten, sehr wettbewerbsintensiven Branchen wie dem Finanzwesen, der IT, dem Rechtswesen oder auch in internationalen Unternehmensfunktionen weiterhin besonders ausgeprägt.
Unterschiedliche Realitäten je nach Land
Die Einstellung zum Gehalt hat direkten Einfluss darauf, wie Kollegen das Thema untereinander ansprechen (oder vermeiden). In Frankreich ist die Diskussion über die Vergütung unter Kollegen nach wie vor eher selten, hat sich jedoch stark weiterentwickelt. Laut einer Studie von Hellowork geben 54 % der französischen Arbeitnehmer an, kein Problem damit zu haben, über ihr Gehalt zu sprechen, ein deutlicher Anstieg gegenüber 17% der Arbeitnehmer im Jahr 2019. Das Thema wird jedoch nach wie vor als intim oder sogar unangebracht empfunden, weshalb Arbeitnehmer im Allgemeinen zögern, in einem formellen Rahmen über ihr Gehalt zu sprechen.
Auch in Deutschland findet ein Austausch statt, der jedoch häufig durch Tarifverträge und Gehaltstabellen geregelt ist, wodurch der Vergleich unter Kollegen im Alltag eine geringere Rolle spielt. Dennoch sprechen laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Bilendi 47 % der deutschen Arbeitnehmer mit ihren Kollegen über ihr Gehalt.
In Belgien werden die Vergütungsniveaus durch das System der Tarifverträge stark geregelt, was für mehr Transparenz sorgt und weniger Raum für informelle Gehaltsgespräche lässt. Laut einer Studie von Acerta Consult aus dem Jahr 2024 sprechen jedoch sechs von zehn Arbeitnehmern offen mit ihren Kollegen über ihre Vergütung.
Dieser kulturelle Unterschied zeigt sich auch in der Praxis. Ein Arbeitnehmer, der in Luxemburg in einem internationalen Umfeld arbeitet, erklärt:
„Für die Deutschen ist das eher ein No-Go; das Gehalt bleibt ein ziemlich tabuisiertes Thema. Die skandinavischen Kollegen hingegen sind viel offener dafür, darüber zu sprechen.“
Ein Kontrast, der zeigt, dass Gehaltstransparenz auch stark von kulturellen Gewohnheiten und den geltenden Gesetzen des jeweiligen Landes abhängt.
Die neuen Generationen setzen neue Maßstäbe
Das ist nichts Neues, die Gen Z bringt die Gewohnheiten in Unternehmen deutlich durcheinander. Während das Thema Gehalt früher vermieden wurde, wird es heute viel offener angesprochen und ist in manchen beruflichen Gesprächen sogar völlig normal geworden. Laut einer Studie von Figures aus dem Jahr 2024 haben 79 % der unter 30-Jährigen bereits mit ihren Kollegen über das Gehalt gesprochen, und 91 % wären bereit, dieses Gespräch zu führen.
Für diese Generation drängen sich mehrere Ideen ganz natürlich auf, wie zum Beispiel, das Thema Gehalt am Arbeitsplatz zu normalisieren. Transparenz wird oft als Garant für Fairness gesehen, während das Gegenteil schnell zu Unverständnis oder Frustration führen kann. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Gewohnheiten wider. Diskussionen rund um die Vergütung nehmen auf Plattformen wie LinkedIn, Reddit oder TikTok zu. Arbeitnehmer tauschen dort Erfahrungen, Gehaltsstufen und Marktvergleiche aus. Ihnen sind bestimmt schon einmal Straßenumfragen aufgefallen, in denen die Befragten ganz beiläufig ihre Position und ihr Gehalt preisgeben.
Lohntransparenz: Eine Revolution in ganz Europa
Das Thema ist noch lange nicht abgeschlossen. Die Lohntransparenz wird mit der Umsetzung einer europäischen Richtlinie, die Luxemburg am 7. Juni dieses Jahres umgesetzt hat, weiter an Bedeutung gewinnen. Konkret führt diese Entwicklung zu Veränderungen bei Einstellungs- und Lohnverwaltungspraktiken.
Erfahren Sie mehr über Lohntransparenz in unserem entsprechenden Artikel.
Einige Unternehmen müssen zudem neue Verpflichtungen hinsichtlich der Berichterstattung und der Begründung der Vergütungsniveaus erfüllen.
Für Arbeitsrechtsexperten wird diese Entwicklung das Tabu nicht von heute auf morgen beseitigen. Ein befragter Anwalt betont, dass das Gehalt in vielen Unternehmen nach wie vor ein heikles Thema ist. Er weist jedoch darauf hin, dass in Unternehmen, die mit Gehaltstabellen arbeiten, die Mitarbeiter bereits eine relativ genaue Vorstellung von den Vergütungsstufen haben, was natürlich zu mehr Transparenz beiträgt. Seiner Meinung nach wird die neue EU-Richtlinie schrittweise dazu beitragen, diese Praktiken weiterzuentwickeln. Diese Dynamik veranlasst bereits viele Arbeitgeber dazu, vorausschauend zu handeln und ihre internen Praktiken zu überarbeiten.
Über Gehalt sprechen: Gute oder schlechte Idee?
Über das Gehalt zu sprechen, kann für Arbeitnehmer echte Vorteile mit sich bringen. So lässt sich insbesondere besser einschätzen, wo man auf dem Arbeitsmarkt steht, und überprüfen, ob das Gehalt der Position, der Erfahrung und dem Branchenstandard entspricht. Außerdem ist dies ein wirkungsvolles Mittel, um bei einer Neueinstellung oder einer internen Beförderung bessere Verhandlungsbedingungen zu erzielen.
Dieser Austausch kann zudem mögliche Ungleichheiten oder ungerechtfertigte Unterschiede zwischen ähnlichen Profilen aufzeigen und so zu mehr Fairness in den Unternehmen beitragen. Schließlich hilft ein besseres Verständnis der Gehaltsniveaus den Bewerbern dabei, sich gegenüber den Personalverantwortlichen besser zu positionieren.
Doch diese Diskussionen bleiben nicht immer ohne Folgen. Die Erkenntnis, dass ein Kollege für eine gleichwertige Stelle mehr verdient, kann manchmal Frustration auslösen oder sogar zu Spannungen innerhalb der Teams führen. In manchen Arbeitsumgebungen kann dies auch das Arbeitsklima beeinträchtigen oder bestimmte interne Dynamiken gefährden. Aus diesem Grund verhalten sich viele Unternehmen bei solchen Gesprächen noch immer zurückhaltend, auch wenn es in der Regel nicht verboten ist, über das eigene Gehalt zu sprechen.
Eines ist sicher: Das Thema Gehalt wird nicht mehr völlig verschwiegen, und seine Bedeutung in den Unternehmen nimmt stetig zu.
Weitere Informationen zum Arbeitsmarkt in Luxemburg finden Sie in unserem Blog.