2026: Welche Trends prägen das Recruiting?

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Am 15/05/2026, von Corentin Ritter veröffentlicht

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Im Jahr 2026 befindet sich der luxemburgische Arbeitsmarkt in einer recht paradoxen Situation. Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel bestehen gleichzeitig. Je nach Branche zeigt sich auf dem Arbeitsmarkt ein sehr unterschiedliches Bild.



Aktuelle Lage


Im ersten Halbjahr 2026 zeigt sich der luxemburgische Arbeitsmarkt recht uneinheitlich, wobei in mehreren Branchen Engpässe zu verzeichnen sind. Die aktuelle Situation ist geprägt von einer alternden Erwerbsbevölkerung sowie einem starken internationalen Wettbewerb um Talente und qualifizierte Fachkräfte.


Auch die Entwicklung der KI beeinflusst den globalen Arbeitsmarkt massiv und verändert sowohl Arbeitsmethoden als auch die von Unternehmen gesuchten Kompetenzen, insbesondere im Bereich der Digitalisierung. Künstliche Intelligenz wird heute in immer mehr Berufe integriert, schafft neue Jobs, könnte andere ersetzen, vor allem aber verändert sie den Arbeitsalltag vieler Beschäftigten. Unternehmen suchen zunehmend nach Profilen, die KI effizient einsetzen können, um Produktivität und Innovation voranzutreiben.


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Sprachkenntnisse bleiben in Luxemburg weiterhin ein entscheidender Vorteil und ermöglichen es Bewerbern oft, sich von anderen abzuheben. Luxemburgisch ist stark gefragt, aber vergleichsweise selten. Gleichzeitig verlangen rund 70 % der Stellenanzeigen auf Moovijob.com Französischkenntnisse und bleibt damit die meistgesprochene Sprache des Landes.



Branchen mit Fachkräftemangel


Der Gesundheitssektor leidet unter einem deutlichen Personalmangel. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer davon ist, dass luxemburgische Kenntnisse in diesem Bereich nahezu verpflichtend sind. Hinzu kommen mögliche Hürden bei der Anerkennung ausländischer Diplome sowie bei der Berufszulassung. Ärzte, Krankenpfleger und Pflegehilfskräfte gehören derzeit zu den gefragtesten Berufen in Luxemburg. Eine ähnliche Situation zeigt sich im Sozialbereich, wo der Bedarf an Erziehern stetig wächst.


Auch die Gastronomie kämpft mit Personalmangel. Gründe dafür sind unter anderem anspruchsvolle Arbeitszeiten und ein oft sehr intensiver Arbeitsrhythmus. Die Generation Z stellt höhere Anforderungen an Arbeitsbedingungen als frühere Generationen, darauf müssen sich Unternehmen einstellen. Manche Betriebe haben ihre Arbeitsweisen bereits angepasst, andere benötigen dafür noch mehr Zeit.


Ingenieure sind in Luxemburg ebenfalls stark gefragt, während die Zahl verfügbarer Fachkräfte auf dem Markt nicht ausreicht. Zwischen Angebot und Nachfrage besteht eine erhebliche Lücke. Auch die Industrie leidet unter einem Mangel an technischen Fachkräften. Derzeit entscheiden sich nur wenige junge Menschen für eine Ausbildung in qualifizierten Handwerks- und Industrieberufen. Generell gibt es zu wenige Techniker und spezialisierte Facharbeiter, um den Bedarf des Landes zu decken.


Auch im Finanzsektor fehlen qualifizierte Fachkräfte, insbesondere in den Bereichen Risikomanagement, KYC (Know Your Customer) und Compliance. Diese Tätigkeiten erfordern hochspezialisiertes regulatorisches Know-how, das angesichts der zahlreichen Finanzunternehmen in Luxemburg nur wenige Kandidaten besitzen.


Darüber hinaus veröffentlichte die ADEM (Agence pour le Développement de l’Emploi) zu Jahresbeginn ihre Liste der Berufe mit besonders starkem Fachkräftemangel. Dadurch lassen sich jene Berufe identifizieren, in denen die Zahl offener Stellen deutlich höher ist als die Anzahl verfügbarer Bewerber.



Branchen mit rückläufiger Entwicklung


Die IT-Branche befindet sich derzeit in einer besonderen Situation. Zwar herrscht weiterhin Fachkräftemangel, gleichzeitig ist die Zahl offener Stellen jedoch deutlich zurückgegangen. Laut STATEC gab es im Jahr 2022 noch 1.694 offene Stellen, im Dezember 2025 waren es nur noch 454. Diese Entwicklung lässt sich durch mehrere Faktoren erklären.


Zum einen verlagern manche Unternehmen ihre IT-Abteilungen ins Ausland, wo die Arbeitskosten niedriger sind.


Zum anderen führten der Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie der daraus resultierende Anstieg der Kraftstoffpreise zu sinkenden Budgets. Unternehmen reduzieren deshalb ihre Teams und investieren weniger in neue Projekte.


Auch die Entwicklung der KI verschärft die Herausforderungen innerhalb der IT-Branche, insbesondere bei Entwicklern, da bestimmte Aufgaben heute mithilfe künstlicher Intelligenz deutlich schneller erledigt werden können. Unternehmen stellen daher weniger Entwickler ein und konzentrieren sich stärker auf erfahrene Fachkräfte. Für Junior-Profile wird die Situation dadurch zunehmend schwieriger.


Auch die Industrie verzeichnete in den vergangenen Jahren eine Abschwächung, erwartet jedoch in den kommenden Jahren wieder einen Aufschwung. Die Fedil (Fédération des industriels luxembourgeois) kündigte an, dass luxemburgische Industrieunternehmen in den nächsten zwei Jahren insgesamt 3.027 Fachkräfte einstellen möchten. Diese Zahl stammt aus der zweijährlichen Umfrage des Verbands unter Unternehmen des Landes. Im Vergleich zur vorherigen Studie, die für 2024 lediglich 1.970 Neueinstellungen innerhalb von zwei Jahren prognostizierte, entspricht dies einem Anstieg von über 50 %. Die Einstellungsabsichten sind somit deutlich gestiegen. Ob sie sich tatsächlich realisieren, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.



Bereiche mit geringer Nachfrage


Laut STATEC gehörten im März 2026 die Bereiche Sekretariat/Verwaltung, Buchhaltung sowie Informatik zu den Branchen mit den meisten Arbeitssuchenden. Die Situation hat sich in diesen Bereichen umgekehrt, da sie früher zu den attraktivsten Branchen Luxemburgs zählten. Während die Zahl der Arbeitssuchenden steigt, werden nur noch wenige neue Stellen geschaffen.


Auch im Bereich Marketing und Kommunikation gibt es inzwischen mehr Bewerber als offene Stellen. Besonders die Generation Z fühlt sich von diesem Bereich angezogen, da viele junge Menschen kreative und digitale Berufe anstreben. Gleichzeitig nimmt die Zahl junger Profile mit wenig Berufserfahrung stetig zu, was die Jobsuche in diesem Bereich zunehmend erschwert.



Weitere Neuigkeiten rund um Jobs und Karriere in Luxemburg finden Sie auf dem Blog von Moovijob.com.

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