Human at Work: 20 Kilometer täglich für Ihre Sicherheit, unterwegs mit dem Begleitdienst „À vos côtés“

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Am 20/07/2026, von Corentin Ritter veröffentlicht

A vos cotes

Hinter jedem Beruf steht ein Mensch mit einer eigenen Geschichte. In einer zunehmend vernetzten Welt, die sich ständig technologisch weiterentwickelt, insbesondere durch die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, ist es wichtiger denn je, die Bedeutung des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. In dieser Artikelreihe lernen Sie die Werdegänge, Entscheidungen und das Engagement der Menschen kennen, die ihren Beruf in Luxemburg mit echter Leidenschaft ausüben.



Zwei unterschiedliche Lebenswege, eine gemeinsame Berufung


Carla Duarte hat schon immer im sozialen Bereich gearbeitet. Ursprünglich kommt sie aus der frühkindlichen Betreuung: Rund fünfzehn Jahre lang arbeitete sie mit Kindern im Alter von zwei bis vier Jahren, bevor sie zwei weitere Jahre Kinder mit Behinderung begleitete. Die soziale Arbeit ist für sie eine echte Berufung. Dennoch wollte sie sich in einem anderen Bereich als der Kinderbetreuung engagieren. Deshalb entschied sie sich, zum Dienst „À vos côtés“ im Bahnhofsviertel zu wechseln, einem Viertel, in dem sie aufgewachsen ist und in dem sie nun seit zweieinhalb Jahren arbeitet.


Edmar Martins hingegen entdeckte die Sozialarbeit erst als er dem Verein beitrat. Ursprünglich stammt er aus dem künstlerischen Bereich. Von À vos côtés erfuhr er durch seinen heutigen Vorgesetzten Ernest Dupljak, einen ehemaligen Klassenkameraden. Anfang 2025 entschloss er sich schließlich den Schritt zu wagen.


Die Freude am zwischenmenschlichen Kontakt und der Wunsch, Menschen in schwierigen Situationen zu helfen, führten Carla und Edmar schließlich im selben Verein zusammen. Da beide im Bahnhofsviertel aufgewachsen sind, war es für sie selbstverständlich, dort zu bleiben und den Bewohnern täglich nahe zu sein.


Carla erklärt ihre Motivation: „Ich bin hier aufgewachsen, meine Eltern wohnen immer noch hier, deshalb liegt es mir besonders am Herzen. Außerdem lernt man das Viertel aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Denn als Passant kommt man zwar einfach so hier vorbei, aber man sieht es nicht auf dieselbe Weise.



Der Dienst „À vos côtés“ des Vereins Inter-Actions


„À vos côtés“ ist ein Dienst, der 2020 vom Verein Inter-Actions ins Leben gerufen wurde. Während sich der Verein für zahlreiche soziale Anliegen einsetzt, hat „À vos côtés“ das Ziel, auf den Straßen der Hauptstadt ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln und Unterstützung zu bieten. Der Dienst deckt die Stadtteile La Gare, Bonnevoie und Ville Haute ab und führt regelmäßige Rundgänge durch, um Anwohner und lokale Gewerbetreibende zu begleiten.  


Unsere Aufgabe besteht vor allem darin, vor Ort präsent zu sein, nah bei den Bewohnern und den Ladenbesitzern. Häufig geht es darum, Konflikte frühzeitig zu verhindern oder durch Mediation zu lösen. Außerdem begleiten wir schutzbedürftige Personen im Viertel“, erklärt Edmar.


Der Verein beschäftigt 25 Mitarbeitende, davon 11 im Bahnhofsviertel. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergründen. Der Verein versteht sich dabei auch als Sprungbrett für Menschen, die den sozialen Bereich kennenlernen möchten, ohne bereits über die entsprechenden Abschlüsse zu verfügen. Deshalb werden alle Mitarbeitenden ermutigt, Berufsausbildungen zu absolvieren, um sich langfristig zu qualifizieren. So arbeitet Edmar neben seiner Tätigkeit bei À vos côtés auch als Jugendpädagoge.



Zuhören und Begleiten im Mittelpunkt der Arbeit


Die Mitglieder von À vos côtés übernehmen verschiedene Aufgaben:


  • Konflikte durch Gespräche entschärfen
  • schutzbedürftige Menschen im Viertel begleiten
  • Menschen, die Hilfe benötigen, an die passenden Anlaufstellen vermitteln;
  • Einsatzbereit sein, wenn Anwohner oder Ladenbesitzer anrufen und ein Eingreifen erforderlich ist. 


Wenn sie während ihrer Rundgänge Zeugen eines Konflikts werden, greifen sie ein und versuchen, die Situation durch Kommunikation und Mediation zu entschärfen, nicht durch körperliches Eingreifen. Genau darin unterscheiden sie sich von der Polizei, die hinzugezogen wird, wenn ein physischer Einsatz erforderlich ist.


Darüber hinaus bietet der Dienst Unterstützung für schutzbedürftige Menschen an. Diese umfasst vielfältige Aufgaben. So können die Helfer beispielsweise Kinder nach der Schule begleiten oder älteren Menschen beim Tragen ihrer Einkäufe helfen. Sie passen sich den individuellen Bedürfnissen jedes Einzelnen an, um sicherzustellen, dass niemand außen vor gelassen wird.


Sie helfen auch Personen, die sich verirrt haben, und unterstützen Einzelhändler bei spontanen oder regelmäßigen Anliegen.


Die Mitarbeitenden tragen stets Informationsflyer bei sich, um Passanten auf ihre eigenen Angebote oder auf andere Dienste von Inter-Actions aufmerksam machen zu können.


Außerdem sprechen Carla und Edmar mehrere Sprachen (Edmar 7 und Carla 4), was in einem so multikulturellen Viertel wie dem Bahnhofsviertel ein großer Vorteil ist.


Indem sie ihren Tagesablauf an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen, sorgen sie für ein größeres Sicherheitsgefühl im Bahnhofsviertel und stehen den Menschen direkt vor Ort zur Verfügung.


Im Laufe eines Tages versuchen wir, dort präsent zu sein, wo wir einen Bedarf erkennen. Aber im Allgemeinen versuchen wir, in allen Bereichen des Stadtviertels präsent zu sein, damit die Menschen uns sehen, sich sicher fühlen und sich bei Bedarf sofort an uns wenden können“, erklärt Carla.



Ein sportlicher und abwechslungsreicher Arbeitsalltag


Der Alltag von Carla und Edmar besteht aus regelmäßigen Rundgängen durch das Luxemburger Bahnhofsviertel. Eine Runde dauert etwa eine Stunde und führt je nach aktuellem Bedarf an verschiedene Orte im Viertel. Nach jedem Rundgang kehren sie ins Büro zurück, verfassen einen Bericht und starten anschließend die nächste Runde. Dabei legen sie täglich beachtliche Strecken zurück.


Das können zwischen 15 und 20 Kilometer am Tag sein, je nach Einsatz sogar mehr“, erzählt Carla.


Doch körperliche Fitness allein reicht für diesen Beruf nicht aus.


Natürlich braucht man eine gewisse Grundfitness, weil wir täglich viele Stunden zu Fuß unterwegs sind. Aber noch wichtiger ist der Umgang mit den Menschen“, ergänzt Edmar.


Die Arbeitszeiten variieren, aber der Dienst ist von Montag bis Donnerstag zwischen 6:00 und 23:00 Uhr sowie freitags und samstags von 7:00 bis Mitternacht besetzt.


Das Starterpaket der Mitarbeiter von „À vos côtés“ für ihren Einsatz:


  • Ihr bekanntes grünes T-Shirt;
  • Flyer zur Weitervermittlung von Hilfsangeboten;
  • Ein Erste-Hilfe-Set;
  • Mitgefühl.



Ein Beruf, der Leidenschaft und Erfüllung bringt 


Der Beruf von Carla und Edmar ist sehr anspruchsvoll und hat sie in ihrer Entwicklung stark vorangebracht.  


Ich glaube, wir entwickeln uns jeden Tag weiter. Man lernt ständig dazu. Wir begegnen Menschen mit oft sehr schwierigen Lebensgeschichten. Das bringt uns auch dazu, das eigene Leben anders zu betrachten. Das ist sehr bereichernd“, erzählt Carla.
Den Menschen zuzuhören hilft auch uns weiterzuentwickeln. Man hinterfragt sich selbst auf eine gewisse Weise. Es ist ein Beruf, der uns menschlich eindeutig weiterbringt.“, ergänzt Edmar.


Die Balance zwischen Beruf und Privatleben spielt dabei eine wichtige Rolle.


Edmar erzählt uns: „Gerade am Anfang ist das nicht einfach, aber daran muss man arbeiten. Zum Glück haben wir viele Schulungen zum Thema psychische Gesundheit, das hilft uns sehr.
Carla ergänzt: „In diesem Beruf ist es sehr wichtig, Abstand zu gewinnen. Manchmal gibt es tatsächlich Situationen, die uns mehr berühren als andere, wir sind schließlich auch nur Menschen. Man muss die Dinge relativieren können; wir versuchen, unser Bestes zu geben und viel Abstand zu gewinnen, das ist wirklich das Wichtigste.


Was sie jeden Tag motiviert, ist vor allem die Dankbarkeit der Menschen, denen sie geholfen haben. Häufig begegnen ihnen Bewohner des Viertels später erneut und bedanken sich für ihre Unterstützung, ein schönes Zeichen dafür, wie wirksam und wertvoll ihre Arbeit ist.


Auf die Frage, welchen Rat sie Menschen geben würden, die denselben Beruf ergreifen möchten, antworten sie:


Carla: „Man muss den Kontakt zu Menschen lieben, sehr empathisch sein und auch in schwierigen Situationen ruhig bleiben können. Das sind die wichtigsten Eigenschaften. Menschen spüren, wenn man ihnen mit echter Freundlichkeit begegnet. Vor allem muss man gut zuhören können.
Edmar: „… und bereit sein, jeden Tag 15 Kilometer zu laufen!



Wenn Sie mit dem Verein Kontakt aufnehmen möchten, besuchen Sie inter-actions.lu.  



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