Wie in vielen europäischen Ländern ist auch in Luxemburg die Geburtenrate rückläufig. Vor diesem Hintergrund gewinnen Fragen rund um die Elternschaft zunehmend an Bedeutung, sei es hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Organisation des Arbeitsalltags oder der Unterstützung junger Eltern.
Während die mentale Belastung und die Herausforderungen des Alltags von Müttern zu Recht nach wie vor viel Aufmerksamkeit erhalten, verändert sich auch die Rolle der Väter. Immer mehr junge Väter engagieren sich und möchten bereits in den ersten Monaten eine echte Rolle im Leben ihres Kindes übernehmen.
Um diese Realität besser zu verstehen, haben wir uns mit Julien (Grafikdesigner) und Nicolas (HR-Manager) unterhalten; beide sind junge Väter und arbeiten in Luxemburg.
„Man geht viel früher schlafen, sonst hält man das nicht durch“
Für Julien, Vater eines vier Monate alten Jungen, kam die Veränderung unmittelbar: „Man geht viel früher schlafen, weil man den Rhythmus sonst einfach nicht durchhält. Am Anfang gab es mehrere Aufwachphasen pro Nacht.“
Nicolas, Vater einer sechs Monate alten Tochter, macht eine ähnliche Erfahrung: „Es ist vor allem am Anfang eine enorme Umstellung. Man ist sehr müde und hat wirklich Schlafmangel.“
Abgesehen von den kurzen Nächten, verändert sich der gesamte Alltag. Weniger Zeit für sich selbst, mehr organisatorische Aufgaben und eine völlig neue Tagesplanung gehören plötzlich auch zum Alltag.
Ein Gleichgewicht, das man gemeinsam finden muss
Sehr schnell wird die Kommunikation innerhalb des Paares entscheidend.
Bei Julien werden die Nächte aufgeteilt: „Meine Partnerin übernimmt das erste Aufwachen, ich das zweite. Und wir versuchen, uns jeweils eine komplette Nacht pro Woche zu gönnen.“
Bei Nicolas ist es ähnlich: „Man muss sich immer darüber austauschen, was tagsüber passiert ist, damit man nach der Arbeit übernehmen kann.“
Denn entgegen manchen Vorstellungen ist die Betreuung eines Babys zu Hause ein Vollzeitjob:
„Die Leute denken, man hätte Zeit für sich selbst, aber alles ist zerstückelt und man wird ständig unterbrochen. Das ist eine echte mentale Belastung.“
Elternzeit und Homeoffice
Homeoffice kann dabei ein wichtiger Verbündeter sein – vorausgesetzt, man passt seine Arbeitsweise entsprechend an. Julien erklärt: „Ich fange früher an und höre früher auf, damit ich den Abend mit ihm verbringen kann. Und manchmal verbringe ich auch in meinen Pausen Zeit mit ihm.“
Ab dem neunten Lebensmonat seines Kindes plant er, eine Teilzeit-Elternzeit in Anspruch zu nehmen, mit einem festen Tag pro Woche, den er mit seinem Sohn verbringt. So kann er mehr Zeit mit ihm verbringen und gleichzeitig die Betreuungskosten senken.
In Luxemburg können junge Väter insbesondere vom Vaterschaftsurlaub und der Elternzeit profitieren, um sich in den ersten Monaten und sogar den ersten Jahren stärker am Leben ihres Kindes zu beteiligen.
Nicolas hat sich seinerseits für eine Elternzeit zu 50 % entschieden: „Ich bereue es überhaupt nicht. Dadurch kann ich sehr viel Zeit mit meiner Tochter verbringen.“
Eine solche Organisation erfordert jedoch zusätzliche Disziplin: Vorausschauende Planung, Delegieren und Priorisieren werden dabei besonders wichtig.
Produktivität im Job: Anpassung, um weiterhin gute Arbeit zu leisten
Mit begrenzter Zeit und Energie ist es unmöglich, einfach „wie früher“ weiterzuarbeiten. Die eigenen Arbeitsmethoden müssen angepasst werden. Mit einem Baby zu arbeiten bedeutet, auch trotz Müdigkeit effizient zu bleiben. Organisation und Disziplin werden dabei entscheidend.
Julien setzt auf eine einfache, aber effektive Methode:
„Ich schreibe alles auf, was ich erledigen muss. So vergesse ich nichts – vor allem dann nicht, wenn ich weniger konzentriert bin.“
Auch seine Gewohnheiten hat er ein wenig angepasst: „Ich habe wieder mit Kaffee angefangen, zwei Tassen am Tag, obwohl ich eigentlich aufgehört hatte.“
Nicolas hat seinerseits seine gesamte Arbeitsorganisation überdacht, insbesondere seit seinem Wechsel auf 50 %: „Ich strukturiere meine Tage deutlich stärker und plane so viel wie möglich im Voraus.“
Früher ankommen, Prioritäten setzen, Aufgaben delegieren und regelmäßige Abstimmungen mit seinem Team helfen ihm, trotz reduzierter Arbeitszeit effizient zu bleiben. Er betont außerdem einen entscheidenden Punkt:
Ein guter Schlafrhythmus und die Anpassung an den Rhythmus des Babys bleiben entscheidend, um langfristig durchzuhalten.
Und natürlich entwickelt jeder seine eigenen kleinen Tricks, um den Alltag zu bewältigen: „Ingwertee hilft dabei, durchzuhalten, und er ist angenehmer als ein Ingwer-Shot.“
Tipps von jungen Vätern
Rückblickend teilen Julien und Nicolas einige ihrer Erfahrungen und Ratschläge:
- Sich an den Rhythmus des Babys anpassen;
- Im Paar ständig miteinander kommunizieren;
- Abends präsent sein, auch wenn das andere Elternteil zu Hause ist;
- Sich ausruhen, wann immer es möglich ist.
Wir teilen außerdem die unerwartete „Wunderlösung“, die Julien und Nicolas bestätigen können: „Im Homeoffice habe ich ihn schon im Babytragegurt gehalten, und er war darin ruhiger als in seinem Kinderwagen.“
Eine Sache bleibt für sie besonders wichtig: „Nur weil deine Partnerin zu Hause ist, bedeutet das nicht, dass sie nicht einer großen mentalen Belastung ausgesetzt ist.“
Zwischen Müdigkeit, Organisation und neuen Prioritäten verändert das Vaterwerden den Alltag grundlegend und auch die Art und Weise, wie man arbeitet.
Eines ist sicher: Die jungen Väter von heute suchen gemeinsam mit den Müttern nach ihrem eigenen Gleichgewicht. Sie engagieren sich zunehmend in einer partnerschaftlich gelebten Elternschaft, ohne dabei ihr berufliches Engagement aufzugeben.
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